Allgemein | von Jonathan Baller | 26.06.2019

Stadt Land Zukunft: Digitalisierung ist nicht gleich digitale Transformation

Es gibt Dinge, die sind nur scheinbar gleich. Zum Beispiel die Wörter „scheinbar“ und „anscheinend“, welche vielen Menschen als Synonym gelten. Dabei bedeutet „scheinbar“, dass etwas nur dem äußeren Anschein nach, nicht aber tatsächlich so ist. Ein praktisches Beispiel: Die Begriffe Digitalisierung und Digitale Transformation sind scheinbar gleichbedeutend, tatsächlich aber beschreiben sie zwei verschiedene Dinge. Anscheinend herrscht hier noch Aufklärungsbedarf! Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären. Denn viele Menschen kennen den Unterschied zwischen den beiden Schlagwörtern nicht. Das ist bei Oma Erna nicht weiter schlimm, aber Entscheider in Unternehmen, die den Digitalen Wandel nicht verschlafen wollen, sollten um die Verschiedenheit der beiden Konzepten wissen. Versuchen wir also etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Digitalisierung beschreibt das Abbilden analoger Strukturen im Digitalen. So kann ich beispielsweise meine Foto- oder Plattensammlung digitalisieren, um sie als Kopie auf dem Laptop immer dabei zu haben. Ein Unternehmen kann dem Papier abschwören und beschließen, Dokumente nur noch in digitaler Form zu verarbeiten. Emails statt Briefe, Slack statt Rohrpost. Ein anderes Unternehmen will vielleicht seine bestehenden Prozessketten automatisieren und dadurch Effizienzsteigerungen erzielen. Das ist alles gut und richtig. Doch die Digitale Transformation geht noch einen Schritt weiter. Denn hier geht es nicht um die bestmögliche digitale Abbildung der bestehenden analogen Prozesse und Strukturen, sondern um deren grundlegende Innovation. Das kann im Sinne einer digitalen Disruption auch zu deren Abschaffung führen. Denn neue Technologien bergen wie wir wissen das Potential, alte Geschäftsmodelle überflüssig zu machen, während sie andere erst ermöglichen. Wer kann sich heute noch daran erinnern, dass Netflix als Versand-Verleiher von DVDs an den Start gegangen ist? Glücklicherweise nur wenige, denn dank massiver Fortschritte im Bereich der technischen Möglichkeiten ist das Unternehmen längst über die ollen Plastikscheiben hinausgewachsen. Und hier liegt die Magie der digitalen Transformation.

Es geht hier also nicht nur um die Frage, ob ein Prozess automatisiert werden kann, sondern darum, ob der Prozess in der aktuellen Form überhaupt noch sinnvoll ist, oder gänzlich neu zu entwickeln. Auch unsere Kunden verlangen von oftmals nach Lösungen der Kategorie „Digitalisierung“. Hier helfen wir natürlich sehr gerne, und die Kunden freuen sich über die neu gewonnene Effizienz. Doch richtig happy sind wir erst, wenn unsere Arbeit auch eine strategische Debatte im Unternehmen auslöst und wir uns gemeinsam mit dem Kunden auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen begeben. Das ist natürlich für alle Seiten mit mehr Aufwand verbunden, und kann auch schon mal weh tun, doch es lohnt sich. Denn wer will bloß eine bessere Raupe werden, wenn er das Potential zum Schmetterling hat?

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