Allgemein | von Jonathan Baller | 03.05.2019

Stadt Land Zukunft: Open Innovation für zukunftsfähige Kommunen

Stadt Land Zukunft: Open Innovation für zukunftsfähige Kommunen

Im ersten Beitrag unserer Artikelserie Stadt Land Zukunft haben wir skizziert, wie die Digitalisierung und neue Denk- und Arbeitsweisen helfen können, aus Deutschland eine Nation der Smart Cities und Smart Regions zu machen. Heute beschäftigen wir uns mit dem Weg dahin. Genauer gesagt mit der Frage, wie Kommunen und kommunale Akteure die nötige Innovationskraft erlangen können, um ihre Zukunftsfähigkeit nachhaltig zu sichern und die Lebensqualität zu steigern. Eine Antwort darauf kann die Denkfigur der Open Innovation bieten. Ursprünglich ein Modell aus der Wirtschaft um Wissen und Ideen externer Ressourcen und Stakeholder in die zuvor abgeschotteten Innovationsprozesse einfließen zu lassen, wird dieser offene Ansatz nun auch vermehrt im öffentlichen Sektor angewandt. Zu Recht, denn einzelne Innovationstreiber können zwar tolle Einzelprojekte voranbringen, aber um größere Visionen und Herausforderungen wie die heutigen effektiv und effizient gestalten zu können, braucht es die Vernetzung. Vernetzung mit anderen Organisationen, Initiativen und Unternehmen, mit ExpertInnen und Bürgerinnen und Bürgern. Es geht um den Austausch von Wissen, von Daten und Ideen. Der Grundgedanke: es gibt immer mehr Wissen außerhalb als innerhalb einer Organisation. Warum dieses Wissen nicht nutzbar machen? Hierbei ist die Digitalisierung nicht nur Ziel, sondern auch Werkzeug und Treiber. Denn vor allem digitale Open Innovation Plattformen (OIP) haben das Zeug, die nötige Vielfalt von Stakeholdern und Ideen zu bündeln.

Eine Stadt, die vormacht wie es geht, ist Lübeck. Mit der Initiative „EnergieCluster digitales Lübeck“ wurde kürzlich eine Plattform ins Leben gerufen, die zukünftig alle relevanten Unternehmen, aber auch die Lübecker selbst, zusammenbringt, um Ideen, Projekte und Initiativen zu koordinieren. Grundgedanke ist der Anspruch, die Digitalisierung der Stadt Lübeck aktiv mitzugestalten, sie nicht nur großen Unternehmen wie Google und Amazon zu überlassen. Digitale Vernetzung betrachten die Macher als unverzichtbares Werkzeug einer Stadt, um Themen wie Elektromobilität, Smart Grid, Carsharing, Smart Services und weitere erfolgreich nutzen zu können. „EnergieCluster digitales Lübeck“ ist aber vor allem auch als Einladung zum Dialog zu verstehen. Aktive Bürgerbeteiligung sei nicht nur wichtig für die Legitimation der Initiative, sie sei außerdem wertvolle Ideenschmiede und Spiegel des Stimmungsbilds. Klar: Wer weiß besser über die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger bescheid, als ebenjene? Musste man früher noch viel Aufwand betreiben, um Input von den Bürgern zu bekommen, beziehungsweise um sich als Bürger Gehör bei den richtigen Stellen zu verschaffen, geht das heute dank Digitalisierung viel einfacher.
Der Forumsgedanke, schon seit Anfangstagen des Webs jedem Netzbenutzer bekannt, spielt hier eine entscheidende Rolle. Als Bürger kann man mit wenigen Klicks seinen  wertvollen „Senf“ dazugeben, verrückte oder weniger verrückte Ideen, auf welche die routinierten Profis vielleicht nie gekommen wären. Abstimmungstools à la Liquid Feedback können darüber hinaus präzise Meinungsbilder zu Vorhaben in quasi-Echtzeit einholen. Vielleicht könnten so stadtplanerische Desaster und Fehlinvestitionen in Zukunft vermieden werden. Vor allem aber kann man über solche Plattformen kommunizieren, dass die Digitalisierung etwas ist, das man aktiv mitgestalten und an die lokalen Bedürfnisse anpassen kann. So entsteht ein Mehrwert für alle Beteiligten. Ganz ohne Aufwand und Investitionen für die benötigten Infrastukturen wird es nicht gehen, doch diese erscheinen im Vergleich zum potentiellen Nutzen gering. Also: Mehr Open Innovation braucht das Land!

Bei Fragen stehen wir, wie immer, gerne zur Verfügung

 

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